Besichtigung der Privatsternwarte der Familie Thinius

Bernd Thinius ist seit seiner Kindheit ein begeisterter Amateurastronom und teilt diese Leidenschaft mit seiner Frau Ina. Familie Thinius wohnt seit Juni 2006 in Bornim auf einer Anhöhe nahe dem Hügelweg. Mit dem Bau ihres Einfamilienhauses haben die beiden sich einen Traum verwirklicht. Das Haus wurde zielgerichtet für die Unterbringung einer Sternwarte konzipiert und gebaut.Zuerst konnten sie günstig eine sonst für Schulsternwarten übliche Kuppel erwerben. Danach wurde ein geeigneter Haustyp gefunden, der sich in Zusammenarbeit mit der Herstellerfirma für den vorgesehenen Zweck anpassen ließ. Die vor allem auf die Beobachtung von Kleinplaneten ausgerichtete Sternwarte „Inastars Observatory Potsdam“ (IOP) wurde am 13.10.2006 offiziell beim Minor Planet Center in den USA unter dem internationalen Beobachtungscode B15 registriert.

An unserem Besuchstag herrschte leichter bis mäßiger Frost. Die neun angemeldeten Mitglieder des Bürgervereins trafen sich um 15 Uhr vor dem Haus der Familie Thinius und wurden nach kurzer Begrüßung und Schuhwechsel gleich mit Winterbekleidung hinauf zur Kuppel geführt. Unsere Gruppe passte ziemlich genau in das 2,60 m weite Rund der Kuppel. Mehr Leute hätten kaum Platz gefunden. Dank des hoch gelegenen Standorts des Hauses hat man von der Kuppel aus freie Sicht bis zum Horizont. Kuppel und Dachboden wurden ohne Wärmedämmung nach außen errichtet. Dadurch werden Störungen infolgethermisch bedingter Luftbewegungen vermieden. Sogar die Anwesenheit von Personen mit ihrer Eigenwärme würde sehr empfindliche Beobachtungen beeinträchtigen.

Bernd Thinius zeigte uns sowohl den Aufbau als auch die Funktionsweise der drehbaren Kuppel und natürlich sein leistungsfähiges Fernrohr, ein Spiegelteleskop von ungefähr 40 cm Durchmesser und etwa 1m Länge. Es erreicht durch den Schmidt-Cassegrain-Spiegel eine Brennweite von 4 m und ist mit einer CCD-Kamera ausgerüstet. Das Teleskop steht auf einem Stativ mit vom Computer gesteuerter Nachführtechnik. Damit kann er sich bewegende Himmelsobjekte exakt verfolgen und auch sehr lichtschwache Sterne beobachten und fotografieren. Und dies muss er dann auch nicht oben in der Kälte, sondern kann er nach dem Öffnen und Ausrichten der Kuppel und dem Vorbereiten des Teleskops sowie Start der Nachführelektronik dann ein Stockwerk tiefer am wohltemperierten Computerarbeitsplatz tun. Wir haben bei seinen spannenden Ausführungen aber tatsächlich eine Stunde in der kalten Winterluft bei offener Kuppel ausgehalten. In seinem Arbeitszimmer konnten wir dann am Computerbildschirm phantastische Kamerabilder von fernen Galaxien, Kometen und anderenObjekten wie zum Beispiel dem Pferdekopfnebel bewundern, welche mit Hilfe seines Teleskops in Farbe aufgenommen sind.

Wie Bernd Thinius anschaulich erläuterte, liegt der Schwerpunkt des Inastars Observatory Potsdam auf der Beobachtung der Kleinplaneten, die auf Bahnen zwischen Mars und Jupiter die Sonne umrunden. Er demonstrierte uns an Hand einer Bildfolge am Computer, wie sich solch ein winziges Objekt am Sternenhimmel erkennen lässt. Es gibt eine ungeheure Vielzahl solcher Planeten mit Durchmessern von wenigen Millimetern bis zu einigen hundert Kilometern. Um einen Kleinplaneten sicher zu identifizieren, muss der Entdecker an mindestens zwei Tagen oder besser Nächten dessen Ort am Himmel mehrmals genau bestimmen, damit seine Umlaufbahn zuverlässig berechnet werden kann. Das ist dann besonders spannend, wenn ein Kleinplanet mit großem Durchmesser auf seiner Bahn uns ziemlich nahe kommt und dann das Leben auf der Erde gefährden kann. Bernd Thinius gelang es tatsächlich, seit seinem Einzug im neuen Haus schon zwei dieser Kleinplaneten völlig neu zu entdecken, wie ihm aus den USA bestätigt wurde. Das war im Februar 2008 und im Oktober 2009. Er darf als stolzer Entdecker diesen Objekten dann einen richtigen Namen geben und hat uns versichert, dass der erste den Namen „Bornim“ erhalten wird.

Nach dem etwas kühlen Aufenthalt in der Kuppel und den Erläuterungen am Bildschirm wurden wir von Frau Ina im Wohnzimmer freundlich mit einer Tasse Glühwein oder Tee bewirtet. Dafür ein herzliches Dankeschön an Familie Thinius. Wer noch mehr Einzelheiten über die Beobachtungen am IOP erfahren möchte, kann dies unter folgender Adresse finden: http://www.inastars.de/neues.htm